Gießener Anzeiger
- 3. Dezember 1996 -

Flußpferd in der Villa Leutert

GIESSEN (hip). Wie der Anzeiger aus außergewöhnlich gut unterrichteten Kreisen erfahren hat, haben die Mitarbeiter des Transferzentrums Zuwachs bekommen. Allerdings kein weiteres Personal, obwohl dies dringend benötigt würde. Vielmehr handelt es sich um ein ausgewachsenes Flußpferd. Dem Vernehmen nach gehört es der Spezies Hippopotamus mittelhessiensis an. Wie das Tier, am Standesamt vorbei, über die enge Treppe ins Dachgeschoß der Villa Leutert gelangt ist, gibt Rätsel auf. Ebenso die Frage, was es dort tut. Projektleiterin Bärbel Grieb zeigte sich gestern bedeckt. Die promovierte Biologin mochte die dem Anzeiger vorliegenden Informationen weder bestätigen noch dementieren. Der Zutritt in die Räume des Transferzentrums wurde uns gestern verwehrt.


Gießener Anzeiger
- 3. Dezember 1996 -

Regierungspräsident Bäumer ein "großer Freund von Hippos"

GIESSEN (HIP). Wie steht eigentlich der Gießener Regierungspräsident zur Hippo-Haltung? Ist die Unterbringung in der Villa Leutert artgerecht? Wir befragten Hartmut Bäumer:

Ist die Haltung eines Hippopotamus mittelhessiensis im Dachgeschoß der Villa Leutert artgerecht und vertretbar?

Bäumer: Das Hippopotamus mittelhessiensis lebt bekanntlich in der Lahn und sein natürlicher Lebensraum sind Fluß- und Auengebiete. Ich halte es deswegen für notwendig und wünschenswert, diese Bedingungen herzustellen. Da es sich im vorliegenden Fall - Sie sprechen die Haltung des HippoMit durch das Transferzentrum an - um ein Wesen handelt, das Mitarbeitern und Besuchern des Transferzentrums einerseits real erscheint, das auf der anderen Seite zugleich ein Gedankenspiel und eine Fiktion ist, habe ich als Au fsichtsbehörde keine grundlegenden Einwendungen. Ich muß lediglich darauf bestehen, und habe das dem Halter mitgeteilt, daß er für das Hippo, soweit es sich nicht ohnehin in der Lahn aufhält, das artgerechte Biotop als Fiktion bereitzustellen hat.

Was halten Sie persönlich von Hippos?

Bäumer: Ich bin ein großer Freund dieser Tiere und pflege bei Spaziergängen an der Lahn immer danach Ausschau zu halten. Um so erfreuter bin ich, daß im Transferzentrum nun dieses Tier gesichtet worden ist. Die Lahn würde als verbindendes Element für Mittelhessen sicher stärker ins Bewußtsein der Bevölkerung rücken, wenn das sympathische Wesen als ihr natürlicher Bewohner akzeptiert wird. Insofern schätze ich Hippos insbesondere als identitätstiftende regionale Elemente.

Haben Sie mit Ihrer Haltungsgenehmigung Auflagen verbunden?

Bäumer: Außer den oben genannt Auflagen bestehe ich vor allem auf strengen Sicherungsvorkehrungen. Das Hippopotamus mittelhessiensis kann gerade deshalb eine Gefahr darstellen, weil es auf der Grenze zwischen Fiktion und Realität lebt. Wir wissen seit der französischen Revolution, wie gefährlich gerade freigesetzte Ideen sein können.

Wer haftet, wenn nun doch etwas passien?

Bäumer: Ich habe das Transferzentrum darauf hingewiesen, daß es bei einem Ausbruch des Hippos für die Folgen einzustehen hat. Die Pflegerin des Hippos, Dr. Bärbel Grieb, hat mir daraufhin versichert, daß ein Ausbruch praktisch ausgeschlossen ist.